Union Island und Carriacou

Wir wollen ja nicht jammern, aber ………..! Es wird immer wärmer, je südlicher wir kommen, und je weiter wir zeitlich gen Sommer ziehen. Die Regenzeit beginnt und bringt mit den steigenden Temperaturen Schwüle mit sich. Dies bedingt auch die hiesige Hurrikansaison, die von Juni bis November anberaumt wird. Also heißt das für uns, bis dahin runter bis zum 10. Breitengrad zu kommen, das Schiff aus dem Wasser zu nehmen, möglichst fest zu verzurren und nach Hause zu fliegen. Von Mayreau sind wir die wenigen Meilen nach Clifton auf Union Island gesegelt, wobei sich das Hissen  der Segel für den kurzen Weg kaum gelohnt hat. Auf unserer aktuellen Route ist dies die letzte Insel, die zu St. Vincent und den Grenadinen gehört. D.h., wir müssen ausklarieren, was völlig problemlos klappt. Auf Union Island verbringen wir nur eine Nacht und gehen am nächsten Tag in die Tyrrel Bay nach Carriacou. Da diese Insel schon zu Grenada gehört, müssen wir wieder einklarieren. Unsere Waffen werden uns abgenommen, damit sie uns nicht von Bord gestohlen werden können und damit Unheil angerichtet wird. Wir werden sie beim Ausklarieren auf Grenada wieder bekommen.

Carriacou  geht auf ein indianisches Wort zurück, das „Land der Riffe“ bedeutet. Zwischen den Korallenriffen erstrecken sich Sandstrände, während das Landesinnere der Insel eine 300m hohe Hügelkette prägt. Hauptort ist das nette kleine Städtchen Hillsborough mit etwa 600 Einwohnern, in dem das Museum für Historische Gesellschaft an das indianische Erbe erinnert. Windward an der Westküste ist für seine von schottischen Einwanderern geprägte Bootsbautradition bekannt. Auf Carriacou haben sich afrikanische Traditionen besonders lebendig erhalten, wie vor allem der Big Drum Dance, der zu besonderen Anlässen mit drei Trommeln und Rasseln gespielt wird. Wir haben das Glück, das zur Zeit unseres Aufenthaltes auf Carriacou das Maroon und String Band Music Festival, eine Art Thanksgiving, in welchem vor allem der Ernte gehuldigt wird, stattfindet und wir einen Eindruck von der hiesigen Kultur bekommen können. In der Tyrrel Bay treffen wir die Schiffe Balou, KaliMera, That´s life und Worlddancer II wieder und lernen die Blue Sun kennen. In der Nachbarbucht liegen noch die Lily und die Murada. Alle Mann fahren wir ins nördlich gelegene Belair. Die Fahrt dahin in einem völlig überladenen Bus ist ziemlich abenteuerlich und unbequem, aber wir kommen an. Schon am frühen Morgen wurden Hühner, Schweine und was weiß ich noch geschlachtet. Ab dem Nachmittag wird leckeres Essen gratis an alle verteilt. Bei Eintritt der Dunkelheit gibt es eine Prozesssion mit Fackeln, Gesang und bunten Kostümen, in welcher symbolisch eine Opferschale an den Gott dargebracht wird und mit Danksagung und Gebeten der Quelle allen Lebens, der Produktion und des Wohlstandes gedacht wird. Auf der riesigen Bühne im dortigen Heritage Park wird die Zeremonie mit Reden verschiedener Minister und Vertretern der katholischen Kirche von Grenada eröffnet. Ein herzliches Willkommen geht auch an die Touristen, die hier sehr gern gesehen sind. Anschließend werden verschiedene Performances von Schülern, Tänzern, Trommlern u.v.m. aufgeführt, in welchen man eindrucksvoll die verschiedenen Stilrichtungen mit vor allem afrikanischem Einfluss erleben darf. Am nächsten Tag folgen wir mit unserem Schiff der Balou in die nächste Bucht an den Paradise Beach, von welchem die beiden sehr geschwärmt haben. Und sie hatten absolut Recht. Es ist wunderschön dort und gegenüber der doch recht vollen Tyrrel Bay liegen wir hier mit nur vier Schiffen an einem traumhaften Strand. Bei Coleen und ihrer Familie genießen wir in deren zauberhaftem, selbst gebautem Restaurant „Off the hook“  den letzten Lobster der Saison. Vom 01. Mai bis Ende August ist Schonzeit und Lobster, sowie auch Schildkröten dürfen nicht mehr gefangen und verzehrt werden, und die Eier der Schildkröten dürfen nicht aus den Nestern entfernt werden.  Ja, auch Schildkröten werden hier wohl gegessen. Unbelievable! Wir verbringen noch ein paar herrliche Tage am Paradise Beach und weihen sogar unseren Gasgrill auf unserer ME mit Balou´s, Lily´s und Murada´s ein. Jeder bringt was Leckeres mit und wir lassen uns den selbst gemixten Rumpunsch schmecken. Aus Hillsborough schleppen wir sogar Eiswürfel dafür an Bord. Bei den derzeitigen Temperaturen sind Eiswürfel was Feines! Daniel bedauert täglich, dass wir unsere noch eigens für diese Reise angeschaffte Eiswürfelmaschine zu Hause gelassen haben, weil wir Bedenken hatten, dass wir hoffnungsvoll überladen sind. Wir hätten sie doch noch irgendwohin quetschen sollen. Am Sonntagabend endet das Maroon-Festival am Paradise-Beach diesmal mit irisch angehauchter Musik, traditionellen Tänzen, Trommlern und einer String Band. Doch irgendwann muss man auch das Paradies mal wieder verlassen und so setzen wir die Segel Richtung Grenada.

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