Malta – Sardinien

26.09. – 01.10.2013

Auf Malta haben wir alles erledigt, was wir mussten. Auf dem Weg ins Immigration-Office haben wir sogar noch ein bisschen Kultur gemacht. Laut Wikipedia finden sich hier die Spuren aus 6000 Jahren menschlicher Besiedelung und es steht unter dem wechselnden Einfluss der meisten historischen Kulturen, angefangen in der Steinzeit mit den Tempelanlagen der Megalithkultur über die Phönizier, Griechen, Römer, Vandalen und Ostgoten. Im 9. Jahrhundert zum Byzantinischen Reich gehörig wurden es von Arabern erobert, danach ging es an Sizilien und dann an die Spanier. 1530 gab der spanische König die Inseln dem Malteserorden als Lehen. 1798 nutzten die französischen Revolutionstruppen unter Napoleon die strategisch günstige Lage Maltas. Unter der Plünderung der Franzosen leidend kam es, dass die Briten aufgrund eines Hilfegesuchs die Häfen blockierten. 1814 wurde Malta mit dem Pariser Frieden Kronkolonie. Auch im Zweiten Weltkrieg spielte Malta eine große Rolle, vor allem für den Nachschub des deutschen Afrikakorps. Die Unabhängigkeit von Großbritannien erhielt der Archipel 1964, als Republik deklarierte sich Malta 1974 und ist seit 2004 der kleinste Mitgliedstaat der EU. Dieses kunterbunte kulturelle Durcheinander ist dort auch deutlich am turbulenten Lebensstil und an der Architektur zu spüren. Besonders gefallen haben uns die Straßenzüge mit Gebäuden im Kolonialstil (Fotos folgen). Angenehm und praktisch war auch, dass in der Marina, in der wir lagen, Tankwagen und Obst- und Gemüsehändler vorbeikommen und man alles quasi vor die Tür geliefert bekommt. Es war interessant, Malta mal gesehen zu haben, aber das hektische Treiben ist eher nichts für uns. Am Donnerstag, den 26.09.2013 laufen wir auch schon wieder aus Manoel Island aus, da wir die ca. 680 Seemeilen bis Moraira in Angriff nehmen wollen. Der Wind für die nächsten 2-3 Tage soll laut Vorhersage aus der richtigen Richtung kommen, anfangs zwar schwach, nimmt er aber in der zweiten Nacht immer mehr zu. Für Sonntag und Montag ist im Bereich der Balearen starker Gegenwind angesagt und wir wollen diese Strecke so schnell wie möglich hinter uns bringen, um vielleicht noch ohne größere Schwierigkeiten durchzurutschen. Vielleicht haben wir Glück und der für uns ungünstige Wind kommt erst später. Also motoren wir bis Sizilien und wollen in Mazara de Vallo nachtanken, damit wir dann bis Moraira an einem Stück durchkommen. In diesem Hafen sind drei Tankstellen eingezeichnet, wovon es nur noch eine gibt und diese können wir nicht erreichen, da dort nicht genug Tiefgang ist und wir einige Meter davor im Sand stecken bleiben. Also langsam wieder rückwärts rausrobben und in den nächsten Hafen. In Marsala erwartet uns dasselbe wieder, eingezeichnete Tankstellen gibt es nicht. Wir müssen aber auf jeden Fall tanken, bevor wir Sizilien verlassen. Wir finden zwischen den Yachten versteckt eine nicht eingezeichnete Tankstelle und können die Tanks vollmachen. Wir fragen nach einem Restaurant o.ä., wo wir uns noch vor dem größeren Schlag stärken können. Uns wird eine Bar und Patisserie einige Meter entfernt empfohlen. Marsala selber ist in der Hafengegend ziemlich runtergekommen, überall liegt Müll und Dreck, nicht besonders attraktiv. Einzig eine moderne Hotelanlage bessert das Bild etwas auf. Die Bar sieht von außen auch ziemlich schäbig aus. Innen erwartet uns aber ein sauberes Ambiente mit ansprechend drapierten und köstlichen italienischen Speisen. Nach der kleinen Zwischenmahlzeit geht’s los Richtung Spanien. Anfangs kommen wir auch gut voran. Wir müssen zwar meistens motoren, da der Wind zu schwach ist und beinahe von vorne kommt. Wir passieren Sardinien und sind ca. 100 Meilen vor Mallorca. Der Gegenwind wird immer stärker. Die Welle immer höher. Okay ist unangenehm, kennen wir aber schon vom Frühjahr. Irgendwann erreicht der Wind bis zu 34 Knoten. Wir machen immer weniger Fahrt, von der Schaukelei gar nicht zu reden. Wir holen uns die Wettervorhersage via Kurzwelle von Intermar. Der Wind soll noch mehr zunehmen. Wir beschließen abzudrehen, da es zu gefährlich ist und wir außerdem befürchten, dass unser Dieselvorrat nicht bis Mallorca reichen wird. Die mühsam erkämpften 120 Meilen von Sardinien legen wir also wieder zurück. Das tut auf der einen Seite weh, andererseits ist jetzt das Fahren und zeitweise Segeln vor der Welle und dem Wind wesentlich erträglicher. Unterwegs erwischt uns noch ein Squall mit ca. 40 Knoten Windstärke und Gewitter, obwohl wir versuchen, diesen plötzlich auftretenden Unwettern auszuweichen. Daniel sucht einen Hafen auf der vorgelagerten Insel Carloforte heraus und seit Montagnachmittag liegen wir ruhig, sicher und mittlerweile auch wieder voll betankt in der Marine Sifredi. Die kleine Insel hat einen unglaublich idyllischen und authentisch italienischen Charme. Das Leben läuft hier etwas langsamer und man genießt es mehr. Von leckerer Pizza und Pasta, Käffchen und Eiscréme möchte ich Euch nicht zu viel vorschwärmen. Eigentlich wollten wir Sardinien meiden, da wir einige Geschichten gehört hatten, dass es hier vor allem für Yachties sehr teuer ist, dass man noch zusätzlich eine Sondersteuer bezahlen muss, wenn man mit dem Boot hier einläuft und die Leute sehr unfreundlich sind. Von all diesem Negativen ist hier gar nichts zu spüren. Wir bezahlen wesentlich weniger als auf Mallorca und es gefällt uns super gut hier. Also hatte das Ablaufen durch den Sturm auch sein Gutes. Wir würden sehr gern noch länger bleiben, müssen aber irgendwann auch mal wieder nach Hause. Für einen zukünftigen Törn durchs Mittelmeer werden wir aber Sardinien auf jeden Fall mit einplanen. Für Mittwoch ist der Wetterbericht gut für uns und wir werden morgen den zweiten Anlauf Richtung Balearen starten. Je nachdem, wie es läuft, halten wir auf Mallorca oder Ibiza oder wir tuckern durch bis Moraira, packen dort unseren Kram aus dem Schiff aus, fahren es dann nach Alicante, setzen es aufs Trockene, machen es „winterfest“ und lassen es in Folie einpacken, damit die neu überarbeitete Außenhaut über die Wintermonate nicht so durch äußere Einflüsse leidet und verdreckt.

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