Mindelo auf Sao Vicente/Kap Verde

Alles Gute im neuen Jahr wünschen wir allen, die uns kennen, mögen und fleißig unseren Blog lesen! Wir haben die Silvesternacht in netter Gesellschaft mit anderen Seglern verbracht. Vom Bug unseres Schiffes aus hatten wir einen herrlichen Blick auf das Feuerwerk. Die Menschen auf Kap Verde haben nicht viel, deshalb machen sie ein Feuerwerk für alle. Um Mitternacht hat sich die gesamte Bevölkerung der Umgebung vor dem Hafen versammelt und das Leuchtspektakel bejubelt. Im Hafen lag ein riesiges französisches Militärausbildungsschiff, welches die ganze Zeit das neue Jahr mit seinem Nebelhorn begrüßt hat. Das war gigantisch! Danach hat die ganze Stadt bis 9.00 Uhr morgens durch gefeiert.

Wir liegen in Mindelo auf der Insel Sao Vicente. Es gefällt uns gut hier. Die Menschen sind freundlich und alles ist relativ sauber. Die Arbeitslosigkeit ist leider sehr hoch, aber die Leute versuchen immer kleinere Arbeiten zu finden, um sich über Wasser zu halten (z.B. das Boot putzen, Einkäufe schleppen oder uns was aus ihrem Leben oder von der Insel zu erzählen). Manche betteln, sind aber nicht allzu aufdringlich. Das wenige Obst und Gemüse, welches in der kargen Landschaft angebaut werden kann, wird auf Märkten angeboten. Diese Märkte sind anders als bei uns. Es duftet unglaublich gut nach allen möglichen Kräutern und die feilgebotenen Früchte sind nicht genormt wie in unseren Supermärkten. Es stört keinen, dass die Möhren krumm sind und noch Erde dranhängt oder die Äpfel schrumpelig. Dafür ist alles viel aromatischer. Natürlich spielt der Fischfang eine große Rolle. Viel mehr gibt es hier nun mal nicht. Ein sehr großes Problem ist die Wasserknappheit. Und wenn, wie in diesem Jahr, kaum Regen fällt, vertrocknen die wenigen Pflanzen auch noch. Zwischen 80-90% der Lebensmittel müssen importiert werden.

Im Hafen von Mindelo kann man an Schwimmstegen festmachen, aber auch ankern. Für die Schwimmstege sind Ruckdämpfer (am besten aus Metall) absolut empfehlenswert, da hier oft heftige Böen durchfegen und dementsprechender Schwell herrscht. Alles ist in ständiger Bewegung: das Boot, die Stege, selbst die schwimmende Bar. Die Stege kann man nur in breitem Seemannsgang passieren, sonst wird man von den Füßen gezogen. Wir haben uns aber schon so daran gewöhnt, dass es uns gar nichts mehr ausmacht. Hätte ich nie für möglich gehalten. Apropos Bar: Daniel hat jetzt das Rätsel mit der Barfußroute gelöst. Wir haben immer auf warmes Wetter gewartet, damit man barfuß laufen kann. Nein, damit ist gemeint, dass man in jedem Hafen zu Fuß von Bar zu Bar läuft. Nein, quatsch. Auf Kap Verde ist es jetzt tagsüber endlich schön warm. Immer ca. 25- 28 Grad Celsius. Das kann man aushalten. Nur abends, wenn die Sonne am Horizont verschwunden ist und der Wind pfeift, ist es recht frisch.

Kap Verde wurde 1456 von einem Venezianer, der in portugiesischen Diensten stand, entdeckt. Am 5. Juli 1975 erlangten die Archipele die Unabhängigkeit von Portugal und sind jetzt in afrikanischer Hand. Die Amtssprache ist portugiesisch, die Nationalsprache kapverdisches Kreol. Die Menschen sind eine hübsche Mischung aus beidem. Ihre Hautfarbe ist nicht allzu dunkel  (man sagt nutellafarben)und sie sind schlank und gut gewachsen. Die Musik, die allgegenwärtig auf den Straßen zu hören ist, sind entweder sanfte portugiesische Gitarrenklänge oder afrikanische Rhythmen. Beides ist wunderschön anzuhören!

Es gibt 15 Kapverdische Inseln und mehrere Eilande, von denen 9 bewohnt sind, gelegen vor der westafrikanischen Küste im Zentralatlantik. Für Segler sind sie geographisch gesehen ein günstiger Absprungsort und Zwischenstopp Richtung Karibik.

Der hiesige Trans Ocean-Stützpunktleiter Milan und seine Frau Ilsevania organisierten eine Inselrundfahrt. Wir fuhren mit mehreren anderen Seglern in einem Kleinbus auf den Monte Verde, von wo aus man einen fantastischen Blick über den Hafen von Mindelo und die Atlantikküste hat. Danach passierten wir noch kleinere Ortschaften, in welchen die Armut des Landes noch deutlicher spürbar ist. Zum Abschluss ließen wir uns in einem netten Restaurant als Überraschung Spanferkel und andere Leckereien schmecken.

Kap Verde bedeutet für uns nicht nur ein komplett andere Kultur, sondern auch, das erste Mal in einem nicht europäischen Land einzuklarieren. In den Hafen muss man neben der Gastlandflagge auch mit der gelben Q-Flagge (Quarantäne) einlaufen, bis man alle Formalitäten erledigt hat. Wir mussten bis Montag warten, konnten aber schon an Land. Wir waren einigermaßen nervös, ob alles klappt, weil wir nicht wussten, was uns erwartet. Es lief alles problemlos. Sowohl bei der Immigration als auch bei der Polizei waren nur einige Formulare auszufüllen, die Pässe vorzuzeigen und eine Gebühr zu bezahlen. Unsere Schiffspapiere wurden einbehalten bis wir wieder ausklarieren. Das war alles.

Unsere Reparaturen an Bord gingen leider nur schleppend voran, da Ersatzteile rar sind. Diese schicken zu lassen, bedeutet wochenlanges Warten. So können wir das AIS leider nicht reparieren bzw. austauschen und werden unterwegs verstärkt mit Radar fahren. In der Karibik wird das dann kein Problem mehr sein. Den Windgenerator hat Daniel von der Angelschnur befreit und er läuft wieder tadellos. Einen großen Fauxpas hat sich Daniel aber auch noch geleistet. Beim Anbringen unseres Feuerlöschers unter dem Navigationstisch hat er in die Platine unseres festen Satellitentelefons gebohrt. Er hat mehrere Tage gebraucht, um sich von dem Schock zu erholen. Erst wollten wir es zum Hersteller schicken. Aber wir haben unserem Freund und Genie Charles in Deutschland ein paar Bilder geschickt und er meinte, er kann es reparieren. Wir mussten es nur von hier aus versenden. Das war ein kleines Abenteuer, aber mit Hilfe der freundlichen Unterstützung von Ilse haben wir es tatsächlich geschafft. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an Ilse und Milan von Trans Ocean! Im Moment versucht Daniel unser mobiles Satellitentelefon zu aktivieren. Ansonsten haben wir für die Kommunikation unterwegs ja noch den Amateurfunk. Darüber bekommen wir täglich Wetter und können jederzeit Kontakt mit anderen Amateurfunkern aufnehmen.

Unsere Atlantiküberquerung wollten wir eigentlich am Donnerstag, den 07. Januar 2016 starten. Jetzt haben wir aber in der Wettervorhersage gesehen, dass nächste Woche was nicht so Schönes von Norden kommt. Also warten wir lieber hier mit allen anderen Segler auf Wetterbesserung.

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9 Kommentare zu Mindelo auf Sao Vicente/Kap Verde

  1. Peter sagt:

    ICh glaube das Daniel eine schwimmende Werkstatt aufgemacht hat für Drehen-Schweißarbeiten -Lackieren sowie Anhänger und Motorradumbauten das Werkzeug dazu habe ich ja selber mit eingeladen Liebe Grüße vom Dortmunder PS Annet zGb. nachträglich. alles Liebe

  2. Lara , Simone und Axel sagt:

    Hallo Ihr Beiden,
    wir haben uns gerade nochmal die Bilder angesehen.
    Bei dem Bild vom Salon sind wir hängen geblieben. 🙂

    Lara: Wenn die beiden reisen darf nicht fehlen.;)
    Simone: Ist die Garage in Hilden nun leer? 🙂
    Axel: Daniel baut das Schiff zum U-Boot um.:)

    So was stimmt jetzt?

    Grüße
    Lara,Simone und Axel
    P.S. Charles hat die Ersatzteile bestellt.

  3. Siggi und Juergen sagt:

    Hallo liebe Annett,
    wir gratulieren Dir ganz herzlich zum Geburtstag, wünschen Dir alles Gute, immer den richtigen Wind, ganz viel Liebe von Deinem Daniel und immer ’ne handbreit Whisky im Glas!
    Liebe Grüße auch an Daniel von
    Siggi und Juergen

  4. Barbara & Rainer sagt:

    Hallo Annett, hallo Daniel,

    auch von uns nochmals auf diesem Wege ein frohes neues Jahr mit besten Wünschen für das passende Reisewetter Richtung Karibik! Annett, wir sind begeistert von den informativen und humorvollen Schilderungen Eurer Erlebnisse und freuen uns mit Euch darüber, dass Ihr es bisher so gut angetroffen habt.

    Daniel, dass die Nutzung von Angelruten so ihre Tücken hat (Augenzwinkern), haben wir mit Schmunzeln ja schon vernommen – aber jetzt auch bei der Bohrmaschine:-))

    Wir drücken Euch die Daumen, dass Ihr weiterhin mit sicherer Hand Eure ME durch Wind und Wetter zu Euren Zielen steuert.

    Liebe Grüße aus dem noch frostfreien Heinsberg senden Euch
    Barbara & Rainer

  5. walter sagt:

    Hallo Ihr Zwei Lieben
    Auch von uns alles Gute und Gesundheit für 2016 und eine tolle Weiterreise.
    Ach, Daniel zwischen Deinem Steuerbord Motor und Dir gibt es sicherlich eine innige Beziehung. Annett, mein Rat schau mal dort rein irgendetwas spezielles gibt es dort.
    Mit dem Wetter sieht es bis Mittwoch nicht gut aus, der Wind kommt direkt auf die Nase, ein starkes (stürmisches Tief) leicht nördlich vor Euch ! und südlich davon Flaute, da müsstet Ihr zuerst auf Rio de Janeriro zielen und viel Proviant dabei haben.Wir drücken Euch alle 4 Däume, dass der Wind wieder laut Wetteralmanach kommt.
    Liebe Grüsse
    walter und lisbeth

    • Annett sagt:

      Hallo Lisbeth und Walter,
      wir wünschen Euch natürlich auch alles Gute im Neuen Jahr!
      Ja, das Tief haben wir auch gesehen, deshalb warten wir bis nächsten Samstag.
      Viele andere Segler warten auch hier und dann gehen wir geschlossen raus und machen Funkrunden. Bei Flaute legen wir uns draußen ins Päckchen und machen Party! Nein, quatsch. Wir haben Zeit und gehen erst raus, wenn der Wind passt. Auf Gegenwind oder Flaute haben wir keine Lust. Von Teneriffa ist gestern die Atlantik Odyssee gestartet, mit der wir eigentlich auch mit wollten. Die haben jetzt wohl nicht so gute Bedingungen. Da die erst mal Süd machen sollten, werden wir sie hier unten auch noch treffen, wenn wir los fahren. Mit einem Schiff stehen wir auch in Kontakt. Ansonsten geht es uns gut. Wir basteln noch ein bisschen, treffen uns mit den anderen Seglern oder erkunden die Gegend. Am Mittwoch wohlen wir noch auf die Nachbarinsel Santo Antao.
      Wie sieht es eigentlich bei Euch aus mit Eurem Schiff?
      Viele liebe Grüße von der ME

  6. Alex und Franca sagt:

    Hallo ihr Abenteurer, freut uns dass es euch so gut geht. Dein Insel Bericht Annette ist sehr interessant. Bleibt am Ball und habt Geduld mit eurer Weiterfahrt. Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht. Beste Grüsse von Alex und Franca

  7. Lara sagt:

    Guten Tag Annett ,Daniel
    Wie geht es euch ? Ich vermisse euch sehr 🙁
    Ich habe mir gerade die Bilder von euch angesehen , ich habe gemerkt das ich richtig neidisch werde 🙂 😉 😉
    Hier in Deutschland ist es im Moment ziemlich kalt.
    viele Liebe Grüße
    LARA

    • Annett sagt:

      Hallo Lara, wir freuen uns, dass Du Dich meldest. Uns geht es gut. Hier ist es sehr warm, Sonnenschein und bis zu 30 Grad. Wir wollten eigentlich schon weiter segeln, der Wind auf dem Atlantik ist aber im Moment nicht so günstig für uns. Und so warten wir hier, bis es besser wird. Wir schauen uns die Umgebung an, erledigen einige Dinge am Boot oder sitzen mit anderen Seglern zusammen, die auch warten. Gestern hatten wir eine Stegparty. Da trifft man sich auf einem Steg, jeder bringt was zu essen und Getränke mit. Das war lustig. Wir hoffen, dass Ihr in Deutschland nicht allzu sehr friert!? Viele liebe Grüße von Annett und Daniel

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