Antigua (spanisch für „alt“)

Bei unserer Ankunft in English Harbour auf Antigua an einem Freitagnachmittag erspähten wir schon von Weitem viele Racingboote , die vor der Hafeneinfahrt kreuzten. Leider hatten wir schon seit einiger Zeit festgestellt, dass unser Antrieb an Backbord Öl spukt. Erst hatten wir gedacht, dass wir einfach zu viel aufgefüllt hatten. Aber irgendwann wurde klar, dass wohl von unten Wasser nachkommt. Was bedeutet, dass wir uns auf dem Riff wohl doch mehr Schaden zugefügt haben, als gedacht. Daniel hatte in Martinique auf dem Trockenen das Spiel des Antriebs und alles andere geprüft. Es war völlig okay. Nach einer längeren Fahrt hatte er eine Ölprobe genommen, bei der sich auch nach mehreren Tagen kein Wasser abgesetzt hat. Ein Techniker auf Guadeloupe hat auch nichts festgestellt. Aber irgendwoher muss das Öl ja kommen. Es kann sich nicht allein vermehren. Dann bleibt nur eine Möglichkeit, dass der Simmerring undicht ist. An beiden Antrieben haben wir besagte Simmerringe vor ca. 1 Jahr auf Lanzarote wechseln lassen. Aber durch den Riffausflug ist einer wohl undicht geworden. Da sie in English Harbour einen Slip haben, der groß genug ist, um unser Schiff aus dem Wasser zu nehmen, hatte ich bereits am Vorabend eine E-Mail dorthin gesandt und jetzt steuerten wir diesen Hafen an. In der Werft hatten sie erst ca. in einer Woche Platz für uns. In den beiden dortigen Marinas gab es überhaupt keine Chance auf einen Liegeplatz, da an diesem Wochenende eine Regatta stattfand. Die Ankerplätze waren auch ziemlich voll. Und so entschieden wir, nach Jolly Harbour zu gehen, weil wir dort einen Platz reserviert hatten. Außerdem war Heinz mit seiner Canta Libre schon eine Weile dort und würde sich bestimmt freuen, uns zu sehen. Wir segelten an der riffreichen Süd- bzw. Ostküste Antiguas bis nach Jolly Harbour und lagen erst einmal für ein paar Tage in dem nicht ganz preiswerten, aber netten Hafen. Hier erkundigten wir uns auch nach einem Volvo Penta Techniker. Den gab es auch. Da aber der Kran in Jolly Harbour zu klein ist für uns, empfahl uns der Techniker die North Sound Marina im Norden Antiguas. Um uns einen Eindruck von der Werft zu machen, eventuell schon Teile vorzubestellen und einen Krantermin zu vereinbaren, nahmen wir uns einen Mietwagen und fuhren erstmal in den Norden. Die Werft hatte wirklich einen Kran für unsere Größe und viel Platz an Land. Der Techniker versprach uns, wenn er die Teile nicht da hat, könnte er sie kurzfristig besorgen. So vereinbarten wir einen Termin für den darauffolgenden Dienstag. Wir nutzten den Mietwagen noch den Rest des Tages und den folgenden, um uns die Insel anzuschauen.

Antigua gehört zu den Kleinen Antillen der Karibik und ist die Hauptinsel des Staates Antigua und Barbuda. Die Landschaft ist geprägt von Palmen, Ananas- und Baumwollfeldern. An den 365 Stränden findet man sehr feinen Sand. Die Küste der Insel ist von zahlreichen Riffen geprägt. An den strategisch vorgelagerten und erhöhten Points findet man etliche Forts, die ehemals der Verteidigung dienten. Am 10. November 1493 entdeckte Christoph Kolumbus das Eiland auf seiner zweiten Reise und benannte es nach seiner Schutzheiligen Santa Maria La Antigua. Kolumbus selbst betrat die Insel wohl nicht, da er und seine Mannschaft an diesem Tag unbedingt Española erreichen wollten und so mehrere Inseln lediglich passiert haben. Außerdem beschrieb er Antigua als von Wilden besiedelt, die nichts Wertvolles besaßen, vor allem kein Trinkwasser. Einige Jahre danach versuchten zuerst Spanier erfolglos das Eiland zu besiedeln. Erst 150 Jahre nach der Entdeckung, im Jahre 1632, begann die Kolonialisierung durch die Briten. Bis auf eine kurze Eroberung der französischen Flotte im Jahre 1666 dauert die britische Kolonialherrschaft bis 1981 an. Für den Anbau und die Verarbeitung von Zuckerrohr wurden auch in dieser Zeit Tausende von Sklaven auf die Insel gebracht. Am 1. November 1981 wurde Antigua unabhängig und ist seitdem eine parlamentarische Monarchie. Heute ist der Lebensstil auf der Insel amerikanisch geprägt.

An Sehenswürdigkeiten hat das relativ flache Land nicht wirklich viel zu bieten. Interessant fanden wir das Naturdenkmal „Devil´s Bridge“ an der Ostküste. Hier haben die Brecher des Atlantiks einen natürlichen Rundbogen in den Kalkstein geformt. An die erste Zuckerrohrplantage „Betty´s Hope“ aus dem 17. Jahrhundert, die der Besitzer nach seiner Tochter benannt hat, erinnern zwei Windmühlentürme und die Ruinen der einstigen Brennerei. In English Harbour im Süden der Insel befindet sich unter anderem der Schauhafen „Nelson´s Dockyard“, ein im 18. Jahrhundert von der Royal Navy befestigter Kriegshafen. Als berühmte Persönlichkeiten wären zum einen der englische Rockmusiker Eric Clapton zu nennen, der hier 1997 ein Rehacenter für Alkohol- und Drogenabhängige gründete, sowie der italienische Modedesigner Giorgio Armani.

Für den auf unsere Inseltour folgenden Dienstag, an dem wir den Werfttermin hatten, war einigermaßen Wind aus Nord/Nordost angesagt und so tuckerten wir gegenan und vorsichtig um die Riffe. Gegen Mittag kamen wir dort an und mussten einige Zeit warten, da noch ein kleines Racingboot mit demselben Problem wie wir als Notfall dazwischen geschoben wurde. Daniel half den Jungs, die im Kran hingen und nach mehreren Stunden gingen sie repariert wieder ins Wasser. Bei uns war zwischenzeitlich der Volvo Techniker aufgetaucht und konnte abermals kein Wasser im Antrieb entdecken. Um auf Nummer sicher zu gehen, ließen wir unser Schiff aber dennoch aus dem Wasser heben. Kurz vorm Dunkelwerden waren wir dann endlich draußen. Die Jungs kärcherten noch schnell unsere Rümpfe sauber und Daniel ließ das Öl aus dem Saildrive an Backbord ab. Keine Anzeichen von Wasser oder sonstigem. Perfektes Öl! Also schien der Simmerring dicht zu sein. Auch der Schaft des Antriebs wies keine Risse auf. Uff, das war einerseits erfreulich, andererseits blieb die Frage, wo das Öl herkam. Hatten wir doch zu viel aufgefüllt? Erstmal drüber schlafen. Nach einer sehr windigen Nacht im Kran kamen wir zu dem Schluss, dass es wohl so gewesen sein muss. Also hat Daniel alles wieder zusammen gebaut und Öl aufgefüllt. Dann haben wir uns ins Wasser setzen lassen und sind abermals nach Jolly Harbour gesegelt. Diesmal hatten wir guten raumen bzw. Rückenwind und waren mit teilweise 9,5 Knoten ziemlich schnell unterwegs. Seitdem liegen wir im geschützten Hafen und haben zumindest die Gewissheit, dass an unserem Backbordantrieb nichts defekt ist.

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