Guadeloupe

Ein wenig mit Wehmut im Herzen kehrten wir den sonnigen Les Saintes den Rücken. Aber nur für Dienstagvormittag war ein paar Stunden Südwind angesagt, mit dem wir auf die nächste Insel Guadeloupe segeln wollten. Die Windvorhersage trat auch ein, und so glitten wir gemütlich Richtung Norden. Einzig die dicke Wolkendecke, die über dem gesamten Eiland hing, sah von weitem schon bedrohlich aus. Natürlich ergoss sie sich über uns, als wir die Marina Bas-du-Fort ansteuerten. Da die Hafeneinfahrt sehr lang ist, und man vor allem auf den regen Verkehr der Frachtschiffe achten muss, noch dazu bei der schlechten Sicht, waren wir bei unserer Ankunft patschnass. Na ja, was soll´s, wir sind schließlich Segler! Und das Anlegerbierchen würde umso besser schmecken. Wie zum Trost ließen pünktlich beim Anlegen der Wind und der Regen nach, und mit Hilfe eines sehr netten Marineros legten wir ein sauberes und entspanntes Anlegemanöver hin. Bei unserem ersten Landgang waren wir zunächst etwas enttäuscht. Die Shops und Restaurants, welche wir zuerst zu Gesicht bekamen, waren entweder geschlossen oder machten einen heruntergekommenen Eindruck. Diese Marina hatte scheinbar ihre Glanzseiten schon hinter sich. Wir kauften uns nur noch schnell ein Baguette und verzogen uns aufgrund des erneut einsetzenden Regens wieder auf unsere kuschelige ME. Oh je, und hier mussten/wollten wir einige Wochen verbringen! Wir hatten Guadeloupe angesteuert, da wir wieder mal einige, kleinere Dinge am Boot zu erledigen hatten und dieser Hafen sowohl mit Technikern als auch mit Ausrüstern gut ausgestattet sein sollte. Das konnte ja heiter werden. Als am nächsten Tag die Sonne wieder schien, sahen wir uns nochmal genauer um und fanden tatsächlich freundlichere Ecken

Historisch gesehen stammen die ältesten archäologischen Zeugnisse menschlichen Lebens der Insel aus der Zeit um 3500 bis 3000 v. Christus. Die Saladoiden besiedelten das Eiland um 500 v. Christus. Um 600 n. Christus folgten die Arawaks und ab dem 9. Jahrhundert die Kariben, die die Insel Karukera – „Insel der schönen Wasser“ tauften. Als erster Europäer erreichte Christoph Kolumbus das Eiland auf seiner zweiten Reise 1493 und änderte den Namen nach dem spanischen Wallfahrtsort Nuestra Señora de Guadalupe, weil er den Mönchen dort versprochen hatte, eine Insel so zu benennen. Zunächst wehrten sich die Kariben erfolgreich gegen die Spanier. Die Kolonialisierung Guadeloupes gelang erst den Franzosen im Jahre 1635. Da sich die Kariben aber nicht versklaven lassen wollten, wurden sie kurzerhand auf die Nachbarinsel Dominica deportiert und Arbeitskräfte aus Afrika auf Sklavenschiffen in die Neue Welt verschleppt. Als Resultat des Siebenjährigen Krieges übernahmen im Jahre 1759 die Briten wiederum die Insel. Im Zuge der Französischen Revolution 1789 wurde die Sklaverei zunächst aufgehoben und die Briten vertrieben. Napoléon führte 1802 die Sklaverei wieder ein. Zwei schwarze Truppenführer, Delgres und Ignace, kämpften für die Freiheit und bezahlten mit ihrem Leben. In den Jahren darauf fand weiterhin ein steter Wechsel der Besitzverhältnisse statt. Aufgrund diverser Aufstände und der Unterstützung durch Menschenrechtler, wie z.B. Victor Schoelcher, wurde die Sklaverei 1848 dann endgültig abgeschafft. Die zu verrichtende Plantagenarbeit tätigten jetzt eigens dafür angeschiffte Kontraktarbeiter, vor allem Inder. Nach Absolvierung von drei bis fünf Jahren waren diese frei und konnten auf Guadeloupe bleiben oder in ihr Heimatland zurückkehren. Heute ist Guadeloupe ein französisches Überseedepartment und wird von den Einheimischen Gwada genannt.

Mit einem Mietwagen bereisten wir die Insel, die die Form eines Schmetterlings hat, teils allein, teils mit Inge und Jörg von der Courante. Wir hielten an mehreren schönen Buchten, wie z.B. der Grand Anse, lunchten köstlich in Deshaies und schauten uns die Cascaden in der Mitte des westlichen Butterfly-Flügels an. Auf dem Rückweg durchquerten wir die Hauptstadt Pointe-À-Pitre und waren abermals enttäuscht. Die Innenstadt sah wenig einladend aus, viele Häuser waren herunter gekommen. Ein weiterer Ausflug an einem der nächsten Tage führte uns auf die Ostseite der Insel mit dem Fort Fleur d’Epée, welches eine herrliche Sicht auf die Grande Baie bietet. Wir hielten in Le Gosier und Saint Francois, wo sich neben dem kleinen Hafen sogar ein Golfplatz befindet. Am beeindruckendsten war der östlichste Zipfel Guadeloupe´s. Vom Pointe des Châteaux mit seinen bizarren Felsformationen und der tosenden See hatte man eine grandiose Aussicht auf den Atlantik. Da wir den Mietwagen noch ein paar Tage länger hatten und die Insel zu groß ist, um sie an einem Tag zu schaffen, widmeten wir uns noch dem südwestlichen Teil. Hier stellte sich die Besichtigung des Fort Delgrès (besagter Freiheitskämpfer für die Sklaven) als sehr lohnenswert heraus.

Insgesamt verbrachten wir drei Wochen auf Guadeloupe, haben die meisten Arbeiten an Bord dann doch selber erledigt , gingen ein paar Mal lecker essen und verproviantierten uns im Schlemmerland Carrefour. Um auf die nächste nördlich gelegene Insel Antigua zu gelangen, führte früher mal ein Weg über einen Fluss durch die Mitte von Guadeloupe. Es ist aber wahrscheinlich zu aufwendig, für die paar Schiffe andauernd mehrere Straßen hoch zu klappen, sodass diese Variante schon seit einiger Zeit gesperrt ist. Deswegen müssen wir erstmal wieder nach Süden, um uns dann langsam an der windgeschützten Westseite Guadeloupe´s hoch zu hangeln.

 

 

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