Îles des Saintes

Unsere Fahrt von Dominica zu der Inselgruppe Îles des Saintes war relativ rasant und wellig. Das erwartete Wetterfenster hat sich leider verschoben, und so haben wir die in Böen 34 Knoten (zum Schluss sogar von vorn) und hohe Wellen von der Seite abbekommen. Dafür waren wir aber schnell und fast ohne Motor unterwegs. Mit den Kali Mera´s und den Why Knot IV (haben wir auf der letzten Beachparty auf Dominica kennen gelernt) schnappten wir in der Bucht von Bourge des Saintes die letzten drei Bojen weg. Da die Insel nicht sehr hoch ist und ein ordentlicher Ostwind blies, hatten wir die ganze Nacht ordentlich Schwell. An Schlaf war nicht zu denken. Am nächsten Tag warteten wir, dass andere Boote die ruhigeren Bojen verließen und verholten uns sogleich dorthin.

Der Ort Bourge des Saintes wird uns von den Wagemut´s und Jan (einem deutschen Segler, den wir auch auf Dominica kennen lernten) wärmstens ans Herz gelegt. Es soll eine Puppenstubenausfertigung von Paris sein. Wir waren gespannt und unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wunderhübsche kleine Häuschen schmiegen sich stilvoll in die Landschaft. Wir schlenderten durch die Gassen und fühlten uns wirklich wie in Klein Paris. Das Flair und die Gerüche erinnerten uns absolut an Frankreich. Schnuckelige Restaurants, gemütliche Bars, wohl riechende Patisserien und schicke Boutiquen reihen sich aneinander. In der Glacerie (Eisdiele) mit dem köstlichen Eis werden wir beinahe täglich Stammkunden. Daniel meint, dass es sich hier das erste Mal wie Karibik anfühlt. Kristallklares Wasser lädt zum Baden ein. Die Kulisse der Bucht und der umliegenden Inseln ist grandios. Die Menschen freundlich und optimistisch. Man spürt die finanzielle Unterstützung des Mutterlandes Frankreich.

Der Archipel (ursprünglich spanisch Los Santos) erhielt seinen Namen von Christoph Columbus, der 1493 an Allerheiligen hier anlandete. Aber erst ca. 1648 ließen sich die ersten französischen Siedler nieder. Durch die strategisch günstige Lage, auch als „Gibraltar der Antillen“ bezeichnet, waren die Inseln lange Zeit von Engländern und Franzosen umstritten. Im Jahre 1816 wurden sie endgültig Französisch und gehören heute zur nördlich gelegenen Hauptinsel und dem Überseedepartment Guadeloupe.

Die Îles des Saintes bestehen aus 9 Inseln, von denen nur 2 bewohnt sind. Wir liegen mit unserem Schiff vor der Insel Terre-de-Haut mit einem einzigartigen Naturhafen. Um das nur 4,52 km² große Eiland zu erkunden, mieteten wir einen Scooter und fuhren nach einem ordentlichen Frühstück zuerst einen Teil der Strecke zum Fort Napoléon hinauf. Vom Parkplatz aus hat man eine herrliche Sicht auf die Bucht Grande Anse. Die restlichen Meter zur Festung bestritten wir zu Fuß. Im Jahre 1809 wurde das ursprüngliche Fort Louis von britischen Streitkräften zerstört. 1867 wurde es wieder aufgebaut und nach Napoléon III umbenannt. Es war zwar zur militärischen Verteidigung des Hafens bestimmt, hat aber nie eine Schlacht gesehen und wurde stattdessen als Strafvollzug genutzt. Heute befindet sich in den Gemäuern ein Museum der Geschichte und Kultur der Saintes. Um das Fort erstreckt sich ein botanischer Garten mit allerlei exotischen Pflanzen. Beeindruckend ist auch der tiefe Graben, welcher die Festung umschließt, und den sicher kein Feind unbeschadet hätte überwinden können. Nach einem Mythos soll in den alten Mauern der Geist eines französischen Mädchens gespukt haben, die in einen britischen Offizier verliebt war. Nach jahrelangem Warten, verlor das Mädchen die Hoffnung, dass ihr Geliebter zurückkehrt. Da sie glaubte, dass er eine andere gefunden hatte, stürzte sie sich von den Klippen von Les Saintes in den Ozean. Wie soll es auch anders sein, der Offizier kehrte natürlich dann doch irgendwann zurück. Nachdem er erfahren hatte, was seine Angebetete getan hatte, glaubte er, sie verraten zu haben, und stürzte sich ebenfalls ins Meer. Diese Liebesgeschichte ging wohl nicht so gut aus!

Nachdem wir den historisch-kulturellen Teil des Ausflugs bewältigt hatten, tuckerten wir auf unserem Roller auf den klitzekleinen Straßen von Bucht zu Bucht, erfrischten uns mit einem Bierchen oder hielten unsere Füße ins wohltemperierte Nass des Atlantiks. Überhaupt bewegen sich die meisten hier auf Rollern oder elektrobetriebenen Golfcarts über die Insel. Es gibt keine Hektik, keinen Stau und keinen Gestank durch Abgase.

Sehr empfehlen können wir das Restaurant „Au Bon Vivre“ – „Zum guten Leben“, in dem wir zweimal vorzüglich speisten und welches seinem Namen in jeder Hinsicht alle Ehre macht. Nahezu allabendlich fanden wir uns in der Bar „Le Citrus“ ein, natürlich nur wegen deren Internet;-) Okay, wir können nicht abstreiten, dass die Cocktails (z.B. Mojito), die Accras (frittierte Fischbällchen) und die eingelegten Oliven hier wirklich köstlich sind. Die Bedienung ist supernett. Daniel kreierte einen Daiquiry mit Banane und Ananas, der so lecker schmeckt, dass er sicher zukünftig auf die Karte kommt. Aber leider geht irgendwann auch die beste Zeit zu Ende und man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Mit dem nächsten günstigen Wind liefen wir am Dienstag die französische Hauptinsel Guadeloupe an. Hier befindet sich der auf weite Sicht letzte größere Hafen, in dem wir noch einige Dinge am Schiff erledigen wollen/müssen.

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Ein Kommentar zu Îles des Saintes

  1. Barbara Brinkmann sagt:

    Da möchte ich unbedingt auch hin. Lg aus dem kalten Deutschland Barbara

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