Grenada-Carriacou-Union Island- Bequia-St. Lucia-Martinique

Nach unserer Abfahrt aus Le Phare Bleu verbrachten wir noch eine Nacht in der hübschen True Blue Bay auf Grenada. Am darauffolgenden Tag ging es auf die nächste Insel Carriacou an den Paradise Beach. Hier verbrachten wir abermals ein paar herrlich ruhige Tage in Gesellschaft von Fee, Armin, Winnie und Olaf. Bei Coleen und Curtis genossen wir in derem bunten Beachrestaurant Lobster, Fish, Chicken und Conch-Schnecken. Da wir uns nicht einigen konnten, wessen Rumpunsch am besten mundet, lieferten sich Coleen, Curtis und Daniel eine Rumpunsch-Competition! Daniel hat den ganzen Nachmittag über frisches Obst ausgepresst. Winnie, Olaf und ich waren die Jury. Einen eindeutigen Sieger konnten wir nicht ermitteln, da die Punsche zu unterschiedlich waren. Vielleicht hatten wir auch schon das ein oder andere Gläschen zu viel. Am letzten Tag unseres Aufenthalts am Paradise Beach stießen noch die Balou´s und die La Joya´s hinzu und es gab Live-Musik.

Um von Grenada und Carriacou auszuklarieren, ankerten wir am darauffolgenden Tag im nahe gelegenen Hillsborough und fuhren anschließend nach Clifton auf der Insel Union Island. Hier mussten wir auch gleich wieder für St. Vincent und die Grenadinen einklarieren, um uns auf den nun kommenden Inseln bewegen zu können. Cilfton ist zu drei Seiten relativ offen und hat einige tückische Riffe. Wir haben den Anker geworfen, der in der ersten Nacht auch super hielt. Am zweiten Tag setzten wir den Hahnepott, um die Ankerwinsch zu entlasten und nicht so viel zu schwojen. Dafür zieht man wieder ein paar Meter Ankerkette rein, befestigt den Hahnepott und lässt mehr Ankerkette als vorher wieder nach. Ich habe noch so bei mir gedacht, dass wir dem Riff doch gefährlich nahe kommen könnten. Entweder haben wir dabei zu viel Kette gegeben oder den Anker etwas raus gezogen. Auf jeden Fall drehte der Wind nachts von Süd auf Ost in Richtung Riff und es knirschte verdächtig am Schiffsrumpf. Okay, wir starteten die Motoren und wollten uns nach vorne verholen, haben dabei die Ankerkette wieder kürzer gemacht und jetzt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit den Anker gelupft. Wir hätten eigentlich bei der Hahnepott-Aktion den Anker neu setzen müssen. Daniel war es eigentlich klar, aber wir vertrauten darauf, dass es gut geht. Außerdem war der Wind zu der Zeit auch noch nicht so stark und kam aus einer anderen Richtung. Und ich hätte mit Sicherheit protestiert, da ich froh war, dass der Anker am ersten Tag so gut hielt. Jetzt hatte der Anker jedenfalls keine Chance mehr zu halten und wir trieben mit den mittlerweile fast 30 Knoten Wind direkt aufs Riff. Es knirschte und krachte, und wir saßen fest. Alles Gas geben half erst mal nichts. Schitte!!!!!!!!!!!!! Und jetzt? Unter Anwendung aller möglichen Tricks hat es Daniel nach einer gefühlten Ewigkeit und sehr unangenehmen Geräuschen unter uns geschafft, die arme ME vom Riff zu bugsieren. Den Anker hatte ich mittlerweile aufgeholt und wir konnten wieder manövrieren. Damit war der Alptraum aber noch nicht zu Ende! Was tun? Wir überlegten neu zu ankern. Bei der Vorwärtsfahrt bemerkte Daniel, dass sich der Backbordpropeller nicht mehr richtig steuern ließ. Wir vermuteten einen Schaden durchs Riff. Dadurch trieben wir gefährlich nah an ein größeres Schiff heran, an welchem uns Daniel aber noch gerade so vorbeigelotst hat. Nächster Plan: Die vor uns liegende Boje catchen. Wie soll ich das bitteschön anstellen bei den Wellen und dem Wind von unserer hohen Bordwand aus? Außerdem musste alles sehr schnell gehen, da vor der Boje das nächste Riff lauerte und wir seitwärts schon wieder auf ein anderes Schiff zutrieben. Die Crew dieses Bootes war trotz der späten Stunde wach. Sie holten schon ihre Fender raus und schrien irgendwas mit Boje. Wir dachten, sie würden in ihr Dinghi steigen und uns beim Festmachen helfen. Aber dem war nicht so. Mittlerweile hatten wir uns entschlossen, einen neuen Ankerversuch zu starten, da ich mir nicht getraut habe die Boje selbst zu fangen. Zuletzt hatte ich besagte Boje rechts von uns gesehen, aber in dem ganzen Durcheinander nicht realisiert, dass sie uns gefährlich nah kam. Ich war mit dem Anker beschäftigt. Nach ein paar Augenblicken wussten wir was unsere neuen Nachbarn mit Boje meinten. Ein kurzes Wupp, der Steuerbordmotor ging aus und wir hatten uns die Boje in diesen Propeller gefahren. Na, klasse! Als wir den Anker, den wir mittlerweile irgendwie eingefahren hatten, wieder hoch holen wollten, gab auch noch die Ankerwinsch den Geist auf. Jetzt waren wir manövrierunfähig, saßen aber auch irgendwie fest. Im rechten Propeller eine Boje, links von uns der verkeilte Anker. Wie lange würde das aber wirklich halten? Erst wollten wir noch einen zweiten Anker mit dem Dinghi raus fahren, haben aber rechts vor uns noch eine freie Boje entdeckt. Daniel meinte, wir machen uns an dieser Boje auch noch fest. Einfacher gesagt als getan. Die Boje war mindestens 60m-70m von uns entfernt. Gegen den immer noch starken Wind und auch recht hohe Wellen kämpfte sich Daniel mittels Dinghi Richtung Boje mit einer langen schweren Leine im Schlepptau. Endlich dort angekommen, hatte ich erst nicht genug Leine gegeben und er ist das erste Mal in Sekundenschnelle wieder abgedriftet. Nächster Versuch: Endlich wieder zur Boje gekämpft, war es für ihn sehr schwierig, das Seil zu halten, das Dinghi zu steuern, die Boje zu fangen, nicht abzurutschen und einen Palstek in das Auge der Bojenöse zu zaubern. Er ist immer wieder zurück getrieben worden und ich hatte schon wüste Szenarien im Kopf, was ihm alles passieren konnte. Nach unzähligen Versuchen war es geschafft und Daniel am Ende seiner Kräfte. Da immer einer auf dem Schiff bleiben sollte, damit man im Fall, dass sich irgendetwas löst, noch reagieren kann, konnte ich auch nicht mit ins Dinghi steigen und ihm helfen. Nach dieser Aktion wollte Daniel noch tauchen gehen und den Propeller befreien. Ich jammerte, dass er mich jetzt nicht mehr alleine lassen und auf Tageslicht warten sollte. Wenn wir abdriften würden, könnte ich nicht mal die Motoren anmachen, da der Mann ja noch im Wasser wäre. Da wir ja irgendwie an drei Stellen fest hingen, hat er es auch gelassen. An Schlaf war aber natürlich nicht zu denken, da wir ja nicht wussten, ob diese „Konstruktion“ halten würde. Um 6 Uhr am nächsten Morgen hatte der Wind nachgelassen und die Sonne war aufgegangen. Ich hätte zwar gern noch gewartet, bis jemand wach ist, der uns helfen kann, Daniel hat es aber nicht mehr ausgehalten. Er zog sich seine Tauchsachen an und ist runter. Dabei hat er zuvorderst mal festgestellt, dass der Backbordmotor deshalb nicht mehr richtig lief, weil wir uns da auch noch ein dickes Seil eingefahren hatten. Okay, Schritt für Schritt. Erstmal das Seil vom linken Propeller entfernen. Im rechten war mit der verwickelten Boje noch der Rückwärtsgang drin. Mit Gang kann man den Propeller aber nicht bewegen und die Boje abwickeln. Also hat Daniel unten solange gewackelt und ich oben vorsichtig versucht den Gang raus zu kriegen, bis es gelöst war. Jetzt konnte auch dieser Propeller befreit werden. Die Boje hatte uns lediglich eine Anode vom Antrieb abgeschert. Mehr war nicht passiert. Auch das Seil der Boje war noch in Ordnung. Gut! Dann haben wir zwei Festmacher durch diese Boje gezogen und waren erstmal safe! Vielleicht ein bisschen zu spektakulär, aber auf diese Art und Weise kann man auch an einer Boje festmachen;-) Jetzt ließ sich auch der Anker wieder hoch ziehen und die Leine an der anderen Boje befreien. Als wir mit allem fertig waren, frischte der Wind diesmal aus Süd auf. Hätten wir immer noch in östlicher Richtung festhangen, wären die neben uns gelegenen Katamarane auf uns drauf geschoben worden. Also war es gut so, dass wir doch schon alles erledigt hatten.

Wenn eines von diesen Dingen passiert – aufs Riff getrieben werden, den Anker nicht mehr hoch bekommen, ein dickes Seil in einen Propeller fahren oder eine Boje in den anderen – dann ist das schon mehr als ungünstig, aber alles zusammen: Grande Katastrophe!

Am folgenden Morgen verließen wir Clifton schnell und ankerten in der geschützteren Chatham Bay. Dort haben wir uns erstmal vom Schrecken erholt und verbrachten ein paar lässige Tage mit Fee und Armin von der Wagemut.

Unser Schiff war zerschrammt und für die nächsten Tage wurde immer mehr Wind angesagt. So beschlossen wir zügig und ohne Zwischenstopp auf den Tobago Cays und Mayreau nördlich Richtung Martinique zu segeln, da es dort eine Werft gibt, die wiederum einen Kran hat, der groß genug ist, um unser Schiff raus zu heben. Wir verbrachten nur noch eine Nacht in Bequia, um von den Grenadinen wieder auszuklarieren. Mit dem allerersten Tageslicht wurden Segel nach Norden gesetzt. Uns folgte eine Kolonne von etlichen Schiffen, die hatten wohl wegen der Wettervorhersage dieselbe Idee. Der Wind kam leider mittlerweile aus Norden und wir mussten gegenan mit einer nicht so angenehmen Welle. Damit wir nicht im Dunkeln in Le Marin auf Martinique ankommen und uns durch die Riffe hangeln müssten, übernachteten wir noch einmal auf St. Lucia. Am Ankerplatz war ein einziges Gerangel. Wieder sehr früh am nächsten Morgen ging es nach Martinique. Mittags dort angekommen, ging es wieder los mit der Platzsuche im Hafen. Ich hatte zwar reserviert, da aber im Moment High Season hier ist, herrschte das absolute Chaos. Mit Mühe und Not und nur mit Hilfe des Tankwartes ergatterten wir für 2 Tage einen Liegeplatz. Dann mussten wir wieder raus, da die Box angeblich reserviert war. Tagelang ist diese Lücke leer geblieben. Muss man das verstehen? Wir hatten uns aber sowieso schon bei der Werft um einen Termin bemüht und konnten vom Hafen mehr oder weniger direkt in die Werft fahren. Hier herrschte auch Hochbetrieb und sie haben uns Freitagabend kurz vorm Dunkelwerden als letztes noch in den Kran gesetzt und rausgeholt. Außerdem konnten wir noch eine Firma auftreiben, die unsere Schäden professionell reparieren kann. Das war auch nicht so selbstverständlich, da im Moment alle ausgebucht sind. Am Schiff haben beide Ruder und beide Kiele derbe Schrammen, aber es ist nichts abgebrochen oder gar rausgerissen. Außerdem hat ein Propeller einige Kerben, und wir haben diverse Abschürfungen und Löcher im Antifouling, die wahrscheinlich von mitgenommenen Fischerbojen stammen. Alles in allem ist es reparabel und hätte viel schlimmer ausgehen können.

Mittlerweile sind die Reparaturarbeiten an der ME erledigt und wir liegen wieder im Wasser. Die Feiertage werden wir hier auf Martinique verbringen.

Wir wünschen Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2017!

„ falls nicht noch irgendein Katastrophenbericht dazwischen kommt“ ( Daniel )

 

 

 

 

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3 Kommentare zu Grenada-Carriacou-Union Island- Bequia-St. Lucia-Martinique

  1. Jens sagt:

    Ohje, ihr habt ja wohl das Adventure Package dazu gebucht.
    Schön, dass dann doch alles gut gegangen ist.
    Liebe Grüße und ein schönes neues Jahr
    Britta und Jens
    Z.Zt. Guadeloupe

  2. siggi und jürgen sagt:

    Moin , moin ihr beiden Pechvögelchen,

    Gans, Gans, Gans liebe Weihnachtsgrüsse aus dem hohen Norden.
    Geniesst die Weihnachtstage mit viel Sonne und trinkt einen
    Rumpunsch auf unser Wohl.
    Nun ja, Gans wird es bei euch wahrscheinlich nicht geben.
    Es gibt ein herrliches Rezept von Johann Lafer. Gans mit
    Niedrigtemperatur gebraten. Ich hab also gestern Nacht kurz
    Vor 24 Uhr die gefüllte Gans in den Ofen geschoben, 90 Grad
    Ober- Unterhitze eingestellt. So soll sie nach Rezept ca. 14 Stunden
    brutzeln. Heute Vormittag um 11 Uhr in das Backrohr gesehen und???
    Die Gans sieht aus wie ein 100jähriger Lederapfel. Also bei uns
    gibt’s jetzt Gans, Gans wenig…

    Seid lieb gegrüßt und gedrückt von der ebenfalls rifferfahrenen Crew
    Siggi und Jürgen

  3. liebe ME crew, so ein desaster, gott sei dank nix noch schlimmeres passiert. vielleicht kann euch die ungarische paprika-wurst aufmuntern die wir durch den zoll in tobago für euch geschmuggelt haben. sind jetzt in st. anne und kommen vielleicht mit dem dinghi zu euch…

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