Porto Colom (Mallorca) – Malta

20.09. – 24.09.2013

Wir sind auf Malta angekommen!

Aus Colom am Freitagvormittag raus, Wind war da, Segel hoch, Wind weg. Toll. Motoren. Wir wollen doch bitte auch mal segeln! Später wird der Wind etwas stärker und gegen Mittag zieht was Schwarzes auf uns zu. Ein Squall. (Heißt das im Mittelmeer auch so?) Ein kurzer heftiger Regenguss und kräftiger Wind. So schnell wie das Unwetter kam, war es auch wieder weg. Aber guter Wind aus für uns günstiger Richtung bleibt. Wir können segeln. Juhu! Im Golf von Lyon tobt laut Wettervorhersage der Bär und sie schicken uns eine steile Seitenwelle bis hierher, was leider eine ungemütliche Schaukelei bedeutet. Nachts nimmt der Wind immer mehr zu. Wir reffen einmal. Wir reffen zweimal. Auch die Genua wird stückchenweise eingeholt. Aber diese Segelstellung zieht uns ohne Motor durch die komplette Nacht. Am nächsten Morgen lässt der Wind etwas nach, die Welle Gott sei Dank auch endlich, wir reffen das Groß wieder aus, tauschen Genua gegen Gennaker, da der Wind mehr von achtern kommt, rauschen so wieder den Tag und die darauffolgende Nacht übers Mittelmeer und machen gut Strecke mit einem Etmal (zurückgelegte Strecke innerhalb von 24 h) von ca. 150 Seemeilen. Wir haben mittlerweile ein ganz gutes System für uns für die Nachtwachenaufteilung entwickelt, das beiden gut passt. Ich übernehme abends in die Dämmerung hinein von 19.00 oder 20.00 Uhr bis ca. Mitternacht. Manchmal früher, manchmal später, übernimmt Daniel bis ca. 5.00 Uhr morgens, dann wieder ich bis es hell wird und wir beide wach sind. Dann hat jeder nachts immer genug Zeit zum Schlafen und wir sind tagsüber nicht so kaputt. Wer dann mehr Schlaf braucht, holt ihn sich tagsüber. Seltsamerweise sind wir aber relativ ausgeruht. Wir haben beide erwartet, dass wir mehr Stress damit haben. Das freut uns natürlich. Wir steuern auf Sizilien zu. Da der Wind aber weiterhin mit uns ist, wollen wir das nutzen und beschließen, bis Malta durchzusegeln, ja segeln, nicht motoren. Ich übernehme in der dritten Nacht auf See meine Wache. Plötzlich tauchen vor mir etliche Lichter auf. Einige von Schiffen, einige blitzen und dahinter Gewitter. Was nun? Daniel, Hilfe. Ich kann es auf den ersten Blick nicht richtig zuordnen. Die Schiffe haben kein AIS (Automatisches Identifikationssystem). (AIS ist echt klasse, man kann sehen, um welche Art Schiff es sich handelt, also z.B. Tanker, Frachter, Fischer oder Segler usw., man sieht die Richtung, in die sie wollen, also Kurs und Ziel und deren Geschwindigkeit. Die Berufsschifffahrt muss es haben, die anderen können. Hilft vor allem nachts ungemein.) Hier vor Sizilien hat aber im dem Lichterwirrwarr kein einziger AIS. Auch anhand der Lichterführung kann ich nicht erkennen, ob die Schiffe auf uns zukommen oder nicht, da die Farben ständig wechseln. Daniel identifiziert letztendlich eine Untiefe, die durch die blitzenden Lichter markiert ist und um die sich etliche Fischer tummeln. In der Karte ist zwar eine Untiefe eingezeichnet, aber nicht, dass sie durch Blitzbojen gekennzeichnet ist. Wir sind zwar unter Segeln, haben also eigentlich Vorfahrt, weichen aber den arbeitenden Fischern lieber aus. Schließlich wollen wir ja im nächsten Restaurant frischen leckeren Fisch genießen. Das Gewitter dahinter verzieht sich auch und der Rest der Nacht wird relativ ruhig. Abends holen wir uns über Kurzwelle bei Intermar das Wetter. Das klappt auch prima. Wir können alles sehr gut verstehen, nachdem wir von Wolfgang den Tipp bekommen haben, die Reling zu erden. Tagsüber haben wir nette Gespräche mit Michael (DL4MY) und anderen Amateurfunkern. Wir sind froh, dass wir den Amateurfunkschein gemacht haben. Heute am Montag, den 23. September 2013 haben wir auch wieder Sonnenschein und Wind von achtern, der manchmal etwas schwach ist, abends aber zunimmt. Wir hatten tagsüber gleich zweimal Gesellschaft von Delphinen. Das erste Mal hatten wir kurz den Motor an, weil wir kaum vorankamen. Ca. 10 Delphine haben mit einem Speed von 7 Knoten mit unserem Schiff gespielt. Später dann kamen ziemlich große Delphine an unser Boot. Da wir aber ohne Motor und kaum Wind unter 3 Knoten „schnell“ waren, langweilten sie sich schnell und verschwanden wieder. Im Moment zieht uns nur der Gennaker mit ca. 14 Knoten Wind mit einer Schiffsgeschwindigkeit von 6 Knoten Richtung Malta. Wir haben jetzt noch ca. 70 Seemeilen vor uns und werden morgen Vormittag dort ankommen.In der vierten und letzten Nacht vor Malta ist einiges los. Viele Tanker und Frachter fahren in alle möglichen Himmelsrichtungen, nach Suez, nach Gibraltar, nach Spanien, nach Malta natürlich, nach Italien usw. Der Wind dreht auch ab und zu, sodass wir einige Male die Segel bzw. deren Stellung ändern müssen, was uns auf Trab hält. Aber schließlich ist Segeln ja ein Sport. Am Dienstag, den 24.09.2013 laufen wir um 9.20 Uhr auf Malta in der Manoel Island Yacht Marina ein.

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