Trinidad (spanisch für: Dreifaltigkeit)

Wir haben das Ziel unserer ersten Reiseetappe erreicht. In der Bucht von Chaguaramas in Trinidad ist eine Werft an der anderen und es liegen eine Menge Boote an Land und im Wasser über die Hurrikansaison. Wir haben bei Power Boats gebucht, weil wir einen guten Preis bekommen haben und, vor allem, weil Don, der Chef der Werft, einen kompetenten Eindruck in unserer E-Mail-Korrespondenz gemacht hat. Er weiß, wovon er redet. Hat schon drei Katamarane selbst gebaut und die Entwicklung des Trailers, mit welchem sie uns an Land ziehen wollen, stammt auch von ihm. Die Chemie stimmt, deshalb haben wir uns für Power Boats entschieden. Außerdem kann man ohne Aufpreis selbst an Bord arbeiten und leben. Das ist auch nicht überall so üblich. Wasser ist umsonst, Strom für kleinere Arbeiten auch. Wir kommen am frühen Dienstagmorgen nach Pfingsten an und klarieren erst mal bei der Immigration und den Customs ein. Mit unseren Waffen ist es natürlich wieder etwas aufwendiger, aber wir sind schon daran gewöhnt. Die Herren bei den Customs sind sowas von freundlich, ganz anders als erwartet. Wir wurden vor den Menschen in Trinidad gewarnt, sie seien schrecklich. Bis jetzt können wir das keineswegs bestätigen, im Gegenteil. Wir waren allerdings auch noch nicht oft außerhalb der Werft. Jedenfalls werden unsere Waffen in polizeilichen Gewahrsam genommen, bis wir im November wieder ausklarieren. Ist auch besser so. Wenn sie an Bord blieben, geklaut würden und dann irgendwas passiert, werden wir unseres Lebens auch nicht mehr froh. Da wir erst am nächsten Tag den Termin haben, um mit dem Schiff aus dem Wasser zu gehen, rufe ich Don an und frage, ob er nicht für eine Nacht ein Plätzchen im Wasser für uns hat. Sie legen uns provisorisch an die Tankstelle, da wir zu breit für die normalen Liegeplätze sind. Dort lernen wir Marlon, den Tankwart, kennen, der sogar gut deutsch kann und auf uns aufpasst. Wir sind hundemüde, weil wir während der nächtlichen Überfahrt von Grenada so gut wie gar nicht geschlafen haben. Wir mussten auf die Piraten aufpassen, die Gott sei Dank nicht kamen, und, dass wir keine anderen Booten über den Haufen fahren, da wir und die meisten anderen kein Licht anhatten. Am darauffolgenden Tag ist es dann soweit. Unsere ME kommt an Land. Der Trailer wird vorgefahren. Ich bin skeptisch, ob dieser bessere „Anhänger“ unsere schwere ME aus dem Wasser hieven kann. Da aber alle Jungs guter Dinge sind, vertrau ich darauf. Don erklärt mir, dass sie nur noch ein paar Anpassungen vornehmen müssen, da jedes Schiff eine andere Form hat, und er noch nie eine Privilege rausgezogen hat. Dann geht alles rucki-zucki und unsere wunderschöne ME steht in der Reihe zwischen etlichen anderen Katamaranen. Uff, das ist immer wieder aufregend! Aber die Jungs hatten alles im Griff und es hat super geklappt. Dann hatten wir einiges zu tun: Motoren und Generator einmotten, Wassermacher konservieren, Ankerkette spülen, Außenborder vom Dinghi leer laufen lassen und verstauen, Segel abschlagen bzw. verpacken, Deck putzen und Persenning zum Schutz gegen Sonne und Schmutz über das ganze Schiff spannen, Dinghi verstauen, Ventile schließen, alle Ein- und Auslässe zustopfen und viele tausend andere kleine Kleinigkeiten mehr. Mit anderen Worten, alles tun, damit das Schiff vor Hurrikans, Schimmel und kleinen Tierchen (Kakerlaken, Ameisen,….) geschützt ist. Damit es innen nicht feucht wird, haben wir uns eine Air Condition einbauen lassen. Summa summarum war nicht gerade wenig zu tun, aber wir kamen gut voran und hatten trotzdem noch genug Zeit für Treffen mit anderen Seglern usw. Einzig das Wetter machte uns mittlerweile zu schaffen. Die Regen-/Sommerzeit wird immer deutlicher spürbar. Es sind permanent über 30 Grad und mehrmals täglich schüttet es wie aus Eimern, was eine unangenehme Schwüle mit sich bringt. Nur beim Gedanken an eine Bewegung schwitzt man schon. Na ja, in Germany haben wir dann ja genug Zeit zum Frieren. Nichts desto trotz legen wir täglich einige Kilometer mit dem Fahrrad zurück, um in das Café bei Crew´s Inn zu gelangen, weil nur dort unserer Ansicht nach der Kaffee einigermaßen genießbar ist. Die Bewegung tut uns gut. Wir passen aber auf, dass wir nicht zu sportlich werden.

An unserem zweiten Tag in der Werft spricht uns Erika von der Abraxas an, ob wir schon wüssten, dass jeden Dienstagabend im Sails Restaurant bei Power Boats ein TransOcean-Treffen stattfindet und man sich jeden Samstagabend beim Roti Hut trifft, was auf den Grill wirft und schwätzt. Nein, wussten wir noch nicht, aber ab jetzt sind wir jedes Mal dabei. Wir lernen abermals viele neue Leute kennen und treffen ein ostdeutsches Pärchen, Dorothea und Frank, wieder, welches wir schon in Las Palmas/Gran Canaria kennengelernt hatten und die mit ihrem Katamaran Fradolin II unterwegs sind. Es ist interessant, was für unterschiedliche Leute man trifft und welche Geschichten sie zu erzählen haben. Erika gibt uns noch einen super Tipp. Jeden Mittwochabend kann man bei Tropical Marine eine Riesenportion sauleckeren Schwertfisch mit reichlich Beilagen für 100 TT (Trinidad und Tobago-Dollar = ca. 13 Euro)bekommen. Was man nicht schafft, kann man mitnehmen. Man sollte reservieren. Es ist nur zu empfehlen!

Mit einem Fahrer vom hiesigen Guide Jessie James unternehmen wir noch mit anderen deutschen Seglern ein nächtliches Turtle Watch am Matura Beach. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem chinesischen Restaurant, um zu Abend zu essen. Befremdlich ist, dass das ganze Lokal vergittert ist und wir unser Essen durch einen schmalen Schlitz gereicht bekommen. Das legt nahe, dass der Diebstahl von Essen hier scheinbar hoch im Kurs steht. Wir können damit allerdings nicht in Einklang bringen, dass man auf der Straße doch recht viele „dicke“, relativ neue Pickups fahren sieht. Wie geht das? Aber nun zurück zum Turtle Watch: Von März bis August kommen hier allabendlich hunderte von riesigen Lederschildkröten an den Strand zur Eiablage. Sie sind mitunter bis zu 7000 km geschwommen. Es ist der Wahnsinn! Diese Reptilien, deren Panzer bis zu 2,5 m lang werden und, die um die 700 kg wiegen können, schaufeln mit ihren paddelartigen hinteren Schwimmflossen ein tiefes Loch und legen dort zwischen 80 und 120 Eiern pro Wurf ab. Vor lauter Anstrengung und, damit die Augen nicht austrocknen, „weint“ die arme Schildkröte. Ist das Werk vollbracht, schaufelt sie das Loch zu und verschwindet wieder im Atlantik. Die Löcher müssen tief genug sein, damit keine Räuber das Nest leer fressen. Die Sonnenwärme sorgt dafür, dass die Eier ausgebrütet werden. Ein paar Monate später schlüpfen die kleinen Schildkröten und müssen wieder zurück ins Meer finden. Es sterben leider sehr viele von ihnen, da sie an Land oder im Meer leichte Beute sind. Deshalb ist die Lederschildkröte auch vom Aussterben bedroht. Haben sie es aber einmal geschafft, liegt die Lebenserwartung zwischen 60 und 120 Jahren. Wenn wir im Oktober wieder nach Trinidad kommen, haben wir hoffentlich noch die Möglichkeit, die Kleinen schlüpfen zu sehen. Mit Dorothea und Frank mieteten wir uns noch ein Auto und fuhren über den Nordteil der Insel. Da wir aber zwei Tage später bereits nach Hause geflogen sind, schafften wir nicht es nicht, die ganze Insel anzuschauen, und hoffen, auch das im Herbst nachzuholen (z.B. den Besuch des natürlichen Asphaltsees im Süden). Am letzten Samstag vor unserem Flug treffen wir beim Grillen noch auf Olaf, die Murada, die Worlddancer II und die That´s life, die alle mittlerweile auch in Trinidad angekommen sind. Es half alles nichts, aber am darauffolgenden Montag hieß es Abschied nehmen und den langen Rückflug Richtung Deutschland antreten. Zuerst fuhren mit Ian, einem sehr netten, souveränen Taxifahrer von der Nachbarwerft „Peake“ nach Port of Spain an den Flughafen der Hauptstadt Trinidads. Dort hatte Daniel schon einen „Inselhopper“ nach Tobago gebucht. Wir waren sehr früh vor dem Abflug dort, weil wir gehört haben, dass diese Flugzeuge so fliegen, wie bei uns Busse fahren. Jede Stunde geht ein Flug auf die Nachbarinsel. Jeder der da ist, wird mitgenommen. Wenn die Maschine voll ist, kommt man trotz Buchung nicht mit und muss auf die nächste Maschine warten. Wir wollten aber auf keinen Fall unseren Langstreckenflug von Tobago nach Deutschland verpassen, und so waren wir schon reichlich früh am Flughafen und flogen auch 3 Stunden früher als gebucht direkt mit. Auf Tobago hatten wir dann 5 Stunden Aufenthalt, da wir ja genug Eincheck- und Reservezeit eingeplant hatten. Da saßen wir nun so auf dem Flughafen von Tobago und trauten unseren Augen nicht. Daniel meinte, da drüben das ist doch Reiner von der Balou. Wir wussten zwar, dass die Balou noch auf Tobago ist, aber gleichzeitig am Flughafen, das war doch relativ unwahrscheinlich. Wie sich herausstellte, waren sie es wirklich, weil die Tochter denselben Rückflug nahm wie wir. Jetzt hatten wir nette Gesellschaft und die Wartezeit verging super schnell. Dann ging es endlich weiter nach Barbados und nach dem dortigen Aufenthalt direkt nach Frankfurt. Gott sei Dank hatte Daniel Business Class gebucht, da die über 9 Stunden am Stück doch recht anstrengend geworden wären. So konnten wir unsere Sitze bis zu einer Liegefläche in sämtliche Positionen ausfahren. Es gab Champagner und mehr Speisen und Getränke, als man schaffen konnte. Außerdem standen auf den individuellen Bildschirmen vor uns unter anderem über 50 aktuelle Kinofilme zur Auswahl. Toll! Ich habe erst gedacht, die paar Stunden können wir doch auch mal in der normalen Economy Class aushalten. Hinterher war ich froh, dass Daniel sich durchgesetzt hatte. Den letzten Teil der Strecke legten wir auch sehr angenehm und flott im ICE von Frankfurt nach Köln zurück, wo uns Daniels Tochter Rebecca bereits erwartete. Froh darüber, gut angekommen und wieder in Deutschland zu sein, erwischte uns nach 1,5 Tagen erst mal richtig der Jetlag, als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte. Außerdem sind es hier doch einige Grade kühler. Wir werden diverse Dinge erledigen: Arztkontrollbesuche, defekte Teile fürs Schiff besorgen usw. und auch in Spanien nach dem Rechten schauen. Ende Oktober geht es wieder zurück nach Trinidad zu unserem Schiff. Dann heißt es, alles wieder segelklar machen, und das Abenteuer Karibik geht weiter. Welche Route wir dann genau nehmen, wissen wir noch nicht. Es gibt verschiedene Optionen. Falls wir im nächsten Jahr wirklich durch den Panama-Kanal in den Pazifik gehen wollen, hätten wir noch ein paar Monate für die Karibik. Durch den Panama-Kanal soll man ca. im März, damit man auf der anderen Seite nicht die Zyklone abbekommt. Bis dahin könnten wir wieder über die karibischen Inseln hüpfen. Wir könnten aber auch noch ein weiteres Jahr in Zentralamerika bleiben, da wir von Martinique aufwärts die Inseln noch nicht gesehen haben und es z.B. auf Barbuda sehr schön sein soll. Außerdem müssen wir ja noch Eric Clapton auf Antigua treffen. Danach gibt es die Möglichkeit, noch weiter oben rum zu gehen, über Kuba, Guatemala usw. oder dann wieder nach Süden über die ABC-Inseln und Kolumbien. Wenn wir gar nicht mehr weiter wollen, könnten wir auch über den Nordatlantik zurück ins Mittelmeer. Wir werden das jetzt während unseres Aufenthaltes in Europa besprechen und entscheiden. Im Moment genießen wir erst mal unsere Zeit hier und freuen uns auf die Treffen mit Familie und Freunden.

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2 Kommentare zu Trinidad (spanisch für: Dreifaltigkeit)

  1. Anke sagt:

    Hallo Ihr Beiden, wir hoffen es geht euch gut. Hab so lange nichts mehr geschrieben. LG Anke und Bernd

  2. hans dartmann sagt:

    hier sind erstmalig auf einigen bildern die wirklichen aussmaße von eurem
    schiff zu sehen „respekt“. annettchen schreib so schön weiter, es macht spass deine
    berichte zu verfolgen.
    bis denne hans

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